Foto: SCHÄFER Werke GmbH

Große Ausbildungsvielfalt für einen großen Markt (Teil 1)

Die Produkte der Metallverarbeitungsindustrie sind so vielfältig wie ihre Einsatzgebiete und Branchen: Von Filtern für den Automotiv- oder Medizinbereich über Fassaden für Immobilien, Elementen für IT-Racks bis hin zu Behältersystemen für Getränke. Entsprechend vielfältig sind auch die Berufsbilder.
 

Sie unterscheiden sich nicht nur innerhalb der technischen, respektive gewerblichen Ausrichtung. Auch kaufmännische Ausbildungen und duale Studiengänge erweitern die Ausbildungsmöglichkeiten und gehören inzwischen zu einem festen Bestandteil vieler Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie. Mit wenigen, jedoch effektiven Methoden können dabei bereits während der Ausbildung zusätzlich die Motivation und Bindung an das Unternehmen gestärkt werden. Durch die Förderung individueller Stärken verbessert sich nicht nur die Leistung der Auszubildenden. Auch die Qualität der Produkte sowie die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen innerhalb der Fachbranchen werden verbessert.

Der gewerbliche Anteil an Ausbildungsberufen in der Metallverarbeitung ist weit gefächert. Zu den häufigsten zählen Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Stanz- und Umformmechaniker, Elektroniker und Fachkraft für Metalltechnik. Bereits im Namen dieser Berufsgruppen sind erste Unterschiede erkennbar. Demnach konzentrieren sich die Elektroniker auf Systeme und Anlagen der Energieversorgungstechnik sowie der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. Ziel der Ausbildung ist es unter anderem, elektronische Anlagen zu entwerfen, zu ändern und zu erweitern oder sie zu warten und zu überprüfen. Die Arbeitsgebiete der Stanz- und Umformtechniker liegen dagegen in Serienproduktionslinien der verarbeitenden Industrie sowie bei produktionsunterstützenden Dienstleistungen. Sie stellen zum Beispiel Bauteile aus Blechen und Halbzeugen her oder programmieren und parametrieren Produktionsanlagen. Vor allem letztere Berufsgruppe ist durch die Anforderungen des Marktes aus einer Mischung zwischen Werkzeugmechaniker und Maschinenanlagenführer entstanden.

Bei der großen Vielfalt der Ausbildungsberufe sollten Betriebe darauf achten, den Auszubildenden einen Gesamtüberblick über die Ausbildungsberufe in ihrem Betrieb zu geben. In Form kleinerer Austauschprogramme beispielsweise, bei welchen kaufmännische mit gewerblichen Azubis für einige Wochen die Plätze tauschen. Mit einer Ausarbeitung der gesammelten Erfahrungen und einer Präsentation vor den Ausbildern können dann die Vor- und Nachteile der Ausbildungsberufe aufgezeigt werden. Ziel ist die Reflexion der eigenen Entscheidung sowie ein Blick über den Tellerrand, um beispielsweise Problemstellungen anderer Berufsbilder und Aufgabengebiete interdisziplinärer erkennen zu können. In den gewerblichen Berufen hat sich indes sogar eine fachübergreifende, gemeinsame Grundausbildung als sinnvoll erwiesen. Der Hintergrund ist denkbar einfach: In der Regel lehren Unternehmen jene technischen Ausbildungsberufe, die sie für das Tagesgeschäft auch selbst benötigen. Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Ausbildungsberufe können und werden jedoch angeboten. Von daher kommt es durchaus vor, dass Auszubildende nach Abschluss der Ausbildung innerbetrieblich in artverwandten Berufen eingesetzt werden können. Werkzeugmechaniker arbeiten dann zum Beispiel in der Qualitätssicherung, da sie infolge ihrer Ausbildungsinhalte auch hierfür die benötigten Anforderungen erfüllen.

Anders sieht es dagegen im kaufmännischen Bereich aus. Hier werden vornehmlich kaufmännische, verwaltungsorientierte und IT-basierte Ausbildungsrichtungen angeboten. Diese sind zum Beispiel Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement und Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Erfahrungen zeigen, dass es in diesen Ausbildungsberufen wesentlich wirksamer ist, die Auszubildenden direkt „on the job“ auszubilden. In größeren Betrieben mit unterschiedlichen Zuständigkeiten in den Bereichen empfiehlt sich dann ein organisierter, festgelegter Ausbildungsablauf, der definiert, wie viel Zeit in den jeweiligen Abteilungen für die Ausbildung relevant ist. Ziel ist es, Auszubildende von Anfang an in die täglichen Arbeitsprozesse einzubinden und ihnen damit eine möglichst praxisnahe Orientierung zu bieten.

Spezielle Anforderungen für spezielle Aufgaben

Nach einer Grundausbildung, welche auch eine Ausbildung an der Maschine beinhaltet, können dann in der Regel erste, kleinere Dreh-, Schweiß oder Frästeile hergestellt werden, welche schon im Betrieb für die Produktion eingesetzt werden. Mit diesen Grundfähigkeiten gehen dann auch die Auszubildenden der gewerblichen Berufsbilder für die Praxisphasen in die einzelnen Abteilungen: Elektroniker in die E-Werkstatt oder Industriemechaniker in die Schlosserei. Hier durchlaufen beispielsweise Konstruktionsmechaniker für den Feinblechbau einen Kurs für Blechbearbeitung, technisches Zeichnen sowie den Musterbau, um in der Produktentwicklung und allgemeinen Konstruktion komplexer arbeiten zu können. Elektroniker erhalten spezielle Ausbildungen zu Themen wie SPS-Schaltung, Lampenschaltung, Gleichstrom, Schutzschaltung, Werkzeugstrom, Regeltechnik und elektronischem Netzteilaufbau. Stanz- und Umformmechaniker begleiten im Betrieb alle Stationen vom Wareneingang bis zum -ausgang und lernen die einzelnen Anlagen und deren Programme kennen. Sie lernen zudem spezielle Werkzeuge kennen, die eigens nur für ganz bestimmte Anlagen verwendet werden. Durch die höhere Qualifikation soll sich diese Berufsgruppe am Ende der Ausbildung nicht nur mit Werkzeugen und Anlagen auskennen, sondern auch deren Produktivität für den Unternehmenserfolg steigern.

Autoren: Wolfgang Weber und Ralf Braun ( beide SCHÄFER Werke GmbH)

 

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