Schiff, Schiffbau

Schiffbau-Zulieferer nehmen Kurs Richtung Digitalisierung

Die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie rechnet auch in diesem Jahr mit leicht steigenden Aufträgen, nachdem 2017 die Orderbücher bereits erfolgreich gefüllt werden konnten. Iese Einschätzung vertritt die VDMA Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment, anlässlich der Weltleitmesse SMM, die jetzt in Hamburg stattgefunden hat. Entscheidend für den künftigen Erfolg sei ein intelligentes Zusammenspiel von Werften, Betreibern und Maschinenbauern.
 
Gleichzeitig konsolidiert sich der Schifffahrtsmarkt weiter, neue Geschäftsmodelle verändern die Wettbewerbssituation und bisher etablierte Dienstleistungen verlieren an Bedeutung. „Auch die Schiffbau-Zulieferer müssen die wachsenden digitalen Möglichkeiten intelligent im Zusammenspiel zwischen Betreibern, Werften und ihren eigenen Unternehmen nutzen“, sagt Martin Johannsmann, der neue Vorsitzende der VDMA Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment. „Branchenübergreifend voneinander lernen“ laute dabei die Devise der Komponenten- und Systemanbieter, deren Lösungen nicht nur im Schiffbau, sondern auch im angrenzenden maritimen Umfeld wie Logistik, Hafentechnik und Energie gefragt sind.
Digitale Vernetzung
Auch für die Schifffahrtindustrie gilt: Die gesamte Logistikkette muss sicher vernetzt werden, damit neue Ideen und Geschäftsmodelle umgesetzt werden können. Dazu ist eine Standardisierung der Schnittstellen notwendig. Hier ziehen die Betreiber in der Schifffahrt und die Zulieferer an einem Strang, geht es doch auch um den reibungslosen und effizienten Betrieb während der gesamten Lebensdauer des Schiffes. „Wir liefern heute aus den Daten der verschiedensten Sensoren an Bord wichtige Informationen für die gesamte Logistikkette und verdienen damit inzwischen auch Geld“, erläutert Johannsmann. „Die digitalen Möglichkeiten helfen uns, Systeme zu entwickeln, die einen klimaneutralen Transport auf See ermöglichen werden.“
Johannsmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF GmbH, wurde von der VDMA Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment für vier Jahre zum neuen Vorsitzenden gewählt. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir die Vorstände aus der Schiffbau- und Offshore- Zulieferindustrie entgegengebracht haben. Wir stehen jetzt gemeinsam vor großen Herausforderungen und sehen unseren Verband als das entscheidende Netzwerk, um im umkämpften Weltmarkt den essentiellen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten“, sagte er.
Maritime Energiewende
Ein für die Schiffbau-Zulieferer entscheidendes Thema ist die Klimaneutralität auf See. Sie ist zugleich auch Ziel der Initiative „Maritime Energiewende“ des VDMA Fachverbands Motoren und Systeme. Die Großmotorenindustrie als Hersteller der Antriebstechnologie will den Weg zur Klimaneutralität gemeinsam mit der Politik gehen und unterstützt daher ausdrücklich den ambitionierten Beschluss der Internationalen Maritimen Organisation (IMO), die Treibhausgasemissionen bis 2050 mindestens zu halbieren. „Zur Erreichung des 2-Grad-Ziels sind allerdings immense Investitionen erforderlich, die sich nur durch transparente und technologieneutrale Rahmenbedingungen rechtfertigen lassen“, sagt Dr. Frank Starke, Geschäftsführer Caterpillar Motoren und Vorstandsmitglied VDMA Motoren und Systeme. Bereits heute stehen viele der Technologien zu einer CO2-Reduktion und weiteren Emissionsminderung zur Verfügung – und die Industrie entwickelt die technischen Möglichkeiten stetig weiter. Daher ist nun die Politik gefragt. „Vor dem Hintergrund eines technologieoffenen Ansatzes muss die Harmonisierung von Emissionsgrenzwerten in der Schifffahrt vorangetrieben und deren Durchsetzung und Einhaltung konsequent überprüft werden. Nur verlässliche internationale Rahmenbedingungen schaffen ein investitions¬freundliches Klima im Sinne einer erfolgreichen Maritimen Energiewende“, betont Starke.
Power-to-X
Der entscheidende Schritt in Richtung Klimaneutralität ist für viele industrielle Bereiche sowie im Verkehrssektor die Elektrifizierung. Es gibt allerdings Anwendungsbereiche, für die dieser Weg nicht in Frage kommt: Mobile Maschinen, der Schwerlastverkehr und eben die Schifffahrt benötigen andere Energieträger mit hoher Energiedichte. Die Batterietechnologie kann rein physikalisch lediglich eine Ergänzung zum klassischen Schiffsmotor darstellen. Genau hier setzt einer der vielversprechendsten Bausteine auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität an: Power-to-X. „Mittels Power-to-X Verfahren ist es möglich, Energieträger mit hoher Energiedichte synthetisch aus regenerativ erzeugtem Strom herzustellen und damit langfristig fossile Energieträger durch CO2-neutrale, synthetische Kraftstoffe zu ersetzen“, erläutert Peter Müller-Baum, Geschäftsführer VDMA Motoren und Systeme.
Der VDMA hat dieses Zukunftsthema aufgegriffen und eine Arbeitsgemeinschaft „Power-to-X for Applications“ ins Leben gerufen. „Ziel ist es, gemeinsam mit Industrie, Politik und Wissenschaft an zukunftsfähigen und markttauglichen Lösungen zu arbeiten – für eben solche Branchen, in denen die direkte Elektrifizierung auf absehbare Zeit keine Lösung darstellt“, sagt Müller-Baum.
Die maritime Zulieferindustrie traf sich auf der Leitmesse SMM in Hamburg. An einigen Kennzahlen lässt sich die Bedeutung der Branche ablesen: Die Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in Deutschland zählt derzeit 63.500 Mitarbeiter, erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 10,6 Milliarden Euro und erzielt eine Exportquote von 74 Prozent.
Exportmärkte
Die Exportmärkte kennzeichnen sich mit unterschiedlichen Entwicklungen: Das europäische Ausland bestätigte seine stabile Rolle als wichtigster Exportmarkt der deutschen Zulieferer (35 Prozent der Exporte). Hintergrund ist die gute Auftragslage führender europäischer Schiffbaubetriebe in ihren jeweiligen Spezialsegmenten, aber auch ein großes Liefervolumen europäischer Hersteller untereinander zur Bildung größerer Systeme und Pakete für den weltweiten Schiffbau. Der langjährige Spitzenreiter Asien folgt mit gut 30 Prozent. Die wichtigsten asiatischen Länder China und Korea verloren im vergangenen Jahr Anteile am Export deutscher Zulieferer: China mit 16 Prozent, Korea mit knapp 8 Prozent, wohingegen das restliche Asien 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,5 auf 6,4 Prozent zulegte. Auch der Handel mit Nordamerika verzeichnete einen Zuwachs auf gut 12 Prozent.

 

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