Conrad Preby Africa Rocks

20.000 m² Edelstahl-Seilnetzkonstruktion
für ein Mittendrin statt nur dabei
ARTIKEL DER WOCHE

Fotos: Carl Stahl Architektur | Mike Torrey

Welche Bilder kommen Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an Afrika denken? Elefanten, Löwen, Gorillas oder Pinguine? Savannen, Wüsten, Gebirge oder undurchdringliche Wälder? Afrika ist ein Fest für die Sinne – ein Kontinent mit vielen Lebensräumen: von sandigen Küsten, Feuchtgebieten und Wäldern bis hin zu felsigem Hochland, Savannen und Kopjes. Der afrikanische Kontinent bedeckt 20 Prozent der Landfläche der Erde, weist eine einzigartige Geologie auf und ist reich an biologischer Vielfalt. Acht der 34 Biodiversitäts-Hotspots der Welt befinden sich in Afrika.

Ungestört, ohne angestarrt zu werden, in natürlichen Lebensräumen: die Lemuren Madagaskars.

Im Conrad Prebys Africa Rocks des San Diego Zoos werden den Besuchern einige der außergewöhnlichsten Arten Afrikas gezeigt, während sie durch sechs verschiedene Lebensräume von der Meeresküste bis zur Savanne wandern. Das Cape Fynbos, der Wald von Madagaskar, die Wälder Westafrikas, eine flachkronige Akazienlandschaft, das äthiopische Hochland und Kopjes genannte Felsformationen, die aus den afrikanischen Ebenen aufzutauchen scheinen, bilden die sechs Lebensräume ab, die den Besuchern nähergebracht werden sollen.

Nach neuesten Erkenntnissen geplant

Das circa 3 Hektar große Gelände von Africa Rocks wurde im Juni 2017 eröffnet. Zuvor wurde die Fläche für Gehege, die aus den 1930er Jahren stammten, genutzt. Bei der Neukonzeption wurde auf eine naturalistisch basierte Ausstellung geachtet, die den Erkenntnissen zu einer modernen Haltung von Wildtieren entsprechen soll. Der Fokus wurde umgelenkt: weg von der Unterhaltung der Besucher hin zur Erhaltung.

Oder auch: Weg vom Stehenbleiben und Starren, hin zu einem Eintauchen in die natürliche Umgebung.

Einen Teil des Geländes überspannt eine 6.500 m² große, transparente Edelstahl- Seilnetzkonstruktion mit entsprechenden Netz-Hoch- und Tiefpunkten aus X-TEND von Carl Stahl Architektur aus Süssen in Baden-Württemberg. Damit wird eine Grundfläche von 110 m x 50 m in ästhetischer (und 3-dimensionaler) Leichtbauweise überspannt.

Bei X-TEND handelt es sich um ein Edelstahlseilnetz, das sich hervorragend für die Einrichtung eines Zoogeheges eignet. Der natürlichen, leicht ansteigenden Topografie folgend, spannt sie gleichsam den Bogen über acht Einzelgehege, die sich entlang eines weitläufig geschwungenen Besucherweges aufreihen. Die minimierte Dachnetz-Konstruktion, die bis auf neun Innenpylone mit Lastverteilungsringen ohne zusätzliche sichtbehindernde Stützelemente auskommt, bildet eine dreidimensionale Netzstruktur und erzeugt eine maximal nutzbare Fläche unterhalb des Daches.

Auf diese Weise fördern die Zoogehege aus vorgespannten X-TEND Edelstahlseilnetzen das natürliche Verhalten der Tiere, indem sie ihren Bewegungsspielraum in die dritte Dimension erweitern und Klettern bis unter das filigrane Seilnetzdach ermöglichen.

Mittendrin statt nur dabei

Bei der Installation eines Geheges ist es insbesondere wichtig, auf eine robuste Bauweise zu achten. Es muss zuverlässig verhindern, dass die Tiere den vorgesehenen Bereich verlassen können. Insbesondere bei gefährlichen Tierarten ist dies sehr wichtig, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Bei herkömmlichen Konstruktionen kommen hierfür massive Gitterstäbe zum Einsatz. Diese beeinträchtigen allerdings die Sicht und sorgen außerdem bei vielen Besuchern für eine beklemmende Atmosphäre.

X-TEND Edelstahlseilnetze zeichnen sich vor allem durch eine geringe Stärke aus, sodass sie kaum sichtbar sind. So genießen die Besucher eine optimale Sicht auf den Lebensraum der Tiere. Dennoch ist dieses Material ausreichend robust, um für eine hohe Sicherheit zu sorgen. Unterschiedliche Seilstärken und Maschenweiten machen es möglich, das Gehege genau an die Sicherheitsanforderungen anzupassen.

Sanft abfallende, breite Besucherwege führen die Besucher durch die sechs Biome.

Darüber hinaus sind damit hohe Spannweiten möglich, sodass nur wenige Träger erforderlich sind. Auf diese Weise können sehr große Gehege abgesichert werden, die zu einer artgerechten Tierhaltung beitragen.

In Africa Rocks wurden rund 13.000 m² Seilnetze in verschiedenen Maschenweiten und Seildurchmesser für die Wandnetze der acht einzelnen Gehege sowie für das gedoppelte Dachnetze der Großvoliere verbaut.

Durch die transparente und filigrane Struktur des Edelstahlseilnetzes erhalten die Besucher nahezu barrierefreie Ein- und Ausblicke in das der Natur nachempfundene Habitat der Tiere. So können die Besucher auf ihrem Weg entlang der Gehege von jeder Position aus gute Einblicke erzielen und somit gewissermaßen eintauchen in die natürlichen Lebensräume von Ratel, Fossa und Lemur im Madagaskar- Biom oder in das Acacacia-Woodland-Biom, das Leoparden, Meerkatzen und Vögel in seinen offenen Grasflächen und Feuchtgebieten beherbergt.

Der Gepard im Acacia Woodland ist, wie die anderen Bewohner der Gehege auch, gut sichtbar durch die X-TEND Edelstahlseilnetze.

X-TEND Edelstahlseilnetz

Seit 1990 das X-TEND Edelstahlseilnetz bei Carl Stahl Architektur erfunden wurde, wurden die Einsatzgebiete des Edelstahlseilnetzes im Innen- und Außenbereich in vielfältiger Art weiterentwickelt. 1991 wurde für X-TEND das Patent erteilt. Mit X-TEND gelang es bei Carl Stahl ARC, ein Bauelement zu schaffen, das gleichzeitig Sicherungs- und Designelement ist. Anspruchsvolle Zoo-Anlagen, wie zum Beispiel dreidimensional in Leichtbauweise geformte Freiflugvolieren oder Raubkatzengehege, werden aus X-TEND Edelstahlseilnetzen gebaut und sind nur eine der Spezialitäten der erfahrenen Planer und Bauer von Carl Stahl Architektur.

Die Einsatzgebiete des Edelstahlseilnetzes sind dementsprechend vielseitig. Unter anderem findet es Anwendung als Geländerfüllung sowie als horizontale oder vertikale Absturzsicherung, Abtrennung, Fassadenverkleidung, Begrünung oder als vielseitiges Gestaltungselement.

Das Projekt „Africa Rocks“ für den San Diego Zoo ist dabei nur ein Referenzprojekt unter mittlerweile vielen Projekten für Zoos, wie etwa für die Wilhelma in Stuttgart, Hellabrunn in München, Zoom in Gelsenkirchen, den Tiergarten Schönnbrunn in Österreich oder den Taronga Zoo in Sydney, Australien.

Werkstoff Edelstahl 1.4401

Die insgesamt rund 20.000 m² X-TEND Edelstahlseilnetze für Africa Rocks, die übrigens einem Gewicht von nur circa 30.000 kg entsprechen, sind gefertigt aus Edelstahl 1.4401. Carl Stahl ARC bietet Edelstahlseile in einem Durchmesser von 1 bis 26 mm an. Für Africa Rocks wurden diverse Maschenspezifikationen verwendet.

Da X-TEND individuell hergestellt wird, waren der Länge und Breite keine Grenzen gesetzt. Das Konzept, die Planung und die Montage lagen bei Carl Stahl Architektur. Der Stahlbau wurde anderweitig vergeben und kam aus den USA.

Die dreidimensionale Netzstruktur fördert das natürliche Verhalten der Tiere.
Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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Alle Bilder wurden vor der COVID-19-Pandemie bzw. unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgenommen.

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Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.