Im Spotlight: Hempel Special Metals

Im Spotlight:
Hempel Special Metals
ARTIKEL DER WOCHE

Fotos: Hempel Special Metals

Ein starker Verbund für High-Performance Werkstoffe

Hempel Special Metals ist eine privat geführte Handels- und Service-Center-Organisation im Bereich der Hochleistungswerkstoffe. Edelstahl Aktuell hat sich mit Axel Bollinger, Geschäftsführer der Hempel Special Metals GmbH in Oberhausen, über das Unternehmen unterhalten, das an verschiedenen Standorten weltweit tätig ist und trotzdem eine Einheit bildet – um gemeinsam mit den Kunden die beste und wirtschaftlichste Lösung zu finden.

Hochleistungswerkstoffe sind für Hempel Special Metals vor allem hochlegierte Edelstähle, Nickellegierungen und Titan. Wie der Firmenname bereits verrät, liegt die Spezialisierung in den angebotenen Werkstoffen, die als Halbzeuge in sämtlichen grundlegenden geometrischen Formen bevorratet werden, sprich: Bleche, Bänder, Stäbe, Rohre. Aber Hempel Special Metals hat den Anspruch, mehr zu sein als ein Lagerhalter: Das Unternehmen ist auch Service-Center und bietet seinen Kunden Services von A wie Anfasen bis Z wie Zuschnitte. Der Anspruch des Unternehmens: alles aus einer Hand zu bieten vom Vormaterial bis zum finalen Bauteil.

Und selbst das gibt noch kein vollständiges Bild des Spezialisten für hochlegierte Edelstähle, Nickelbasislegierungen und Titan. Die Kunden schätzen die Expertise der Vertriebsmannschaft, was dazu führt, dass die Hempel Special Metals oft schon frühzeitig in Kundenprojekte eingebunden und mit der Auswahl der für die Anwendung richtigen Werkstoffe betraut wird. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um Einsatzbereiche in der Chemie, der Umwelttechnologie, der Luftfahrt oder der Medizintechnik handelt, die Mitarbeiter finden gemeinsam mit den Ingenieuren des Kunden die geeignete Lösung. Wenn es sehr speziell wird, bindet Hempel Special Metals seinen erfahrenen Werkstoffberater in das Projekt ein. Kundenbedürfnisse, erforderliche Werkstoffeigenschaften, Prozessbedingungen, Einsatzumgebung und -anforderungen, alles wird genau betrachtet. Gemeinschaftlich wird nach einer für den Kunden geeigneten und wirtschaftlichen Lösung gesucht und eine Materialspezifikation erarbeitet.

Das internationale Managementteam von Hempel Special Metals.

Der Wertekanon

Die Wurzeln des mehr als hundertjährigen Unternehmens, liegen in Großbritannien bei dem ersten britischen Produzenten von Edelstählen. Hempel Special Metals hat seinen Hauptsitz in der Schweiz und betreibt in Europa und Asien insgesamt fünf Standorte mit Service-Centern sowie ein Vertriebsbüro in Shanghai. Über 90 Mitarbeiter weltweit sind für Hempel Special Metals tätig. „Wir sind stolz auf unsere Unabhängigkeit und unsere über hundertjährige Tradition”, betont Axel Bollinger. „Wir pflegen starke Partnerschaften mit unseren Lieferanten rund um den Globus und arbeiten in einem Team, das in Exzellenz versteht, unterschiedliche Expertisen zu Gesamtlösungen zusammenfügen.

So sind wir für unsere Kunden aus den Bereichen der Prozess- und Uhrenindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie der Öl- und Gasindustrie ein fester Bestandteil der Lieferkette.”

Der Anspruch von Hempel Special Metals ist es, für Kunden und Lieferanten ein berechenbarer und zuverlässiger Partner zu sein. „Wir haben es uns zu eigen gemacht, durch Taten zu überzeugen”, führt Axel Bollinger aus. Bei Hempel Special Metals werde nicht über Probleme diskutiert, sondern es werden Lösungen gesucht und gefunden, immer auch unter Beachtung ethischer Grundsätze. Und zwar standortübergreifend im Leistungsportfolio der gesamten Gruppe, denn das Unternehmen versteht sich als eine Einheit. Vom Lagerarbeiter bis zum Management wird Wert auf ein Verständnis der Unternehmensstrategie und -kultur gelegt und alle Mitarbeiter leben dieses einheitliche Bild. „Und das ist unsere Stärke: Wir stellen einen starken Verbund dar”, unterstreicht Bollinger. „In der Formel 1 Motorsportklasse heißt es: „We race as one.” Bei uns könnte man sagen: „We stand as one.”

Fünf Standorte, fünf Spezialisierungen

Fünf Standorte mit jeweils eigenem Service-Center haben sich auf unterschiedliche Branchen spezialisiert, um den Kunden einen umfassenden Service und ein breites Angebot bieten zu können. Ob Dübendorf in der Schweiz, Oberhausen in Deutschland, Sosnowiec in Polen, Dewsburry in Großbritannien oder Hong Kong – Service und Materialverfügbarkeit stehen im Zentrum der Aktivitäten. Kunden werden mit gleichbleibender Qualität beliefert, unabhängig davon, wo sich der Kunde oder eine Tochtergesellschaft befinden und von welchem Standort geliefert wird. „Es sind fünf Lager und doch ist es wie ein großes Lager für alle Standorte”, erklärt Axel Bollinger. „Systemtechnisch agieren die einzelnen Standorte, als ob sie sich aus einem gemeinsamen Lager bedienen.”

An den verschiedenen Standorten wird nach Kundenwunsch quergeteilt, gespalten und zugeschnitten. Hier: Plasmaanlage in Oberhausen.

Gleichzeitig fokussiert sich jeder Standort auf bestimmte industrielle Schwerpunkte und dementsprechend ist das Service-Center ausgestattet, um die dafür erforderlichen Serviceleistungen zu erbringen.

In der Schweiz liegt der Fokus auf der Medizin- und Uhrenindustrie. Den Lagerschwerpunkt in Dübendorf bilden daher Edelstahl und Titan, das Service-Center ist mit einer Wasserstrahl- und einer Laserstrahlschneideanlage ausgestattet. Hempel Special Metals kann flexibel für Kunden, gerade in der Uhrenindustrie, Kleinserien schneiden, aber auch Kleinstserien mit Stückzahlen von weniger als 1.000.

Drehmaschine am Standort Oberhausen.

Unter anderem auf die chemische Prozessindustrie ist der Standort Oberhausen spezialisiert. Der Lagerschwerpunkt sind folglich Nickelbasislegierungen und Spezialedelstähle. Das Service-Center verfügt über eine Plasmaschneideanlage, eine Tafelschere und eine Kasto-Säge. Als zusätzliche Serviceleistung für Rohrkunden hat Hempel Special Metals sein Portfolio um Rohrverbindungen und -Zubehör erweitert. Mittlerweile werden an drei CNC-Fräsmaschinen in Oberhausen Flansche und Fittings nach Kundenzeichnungen und -anforderungen gefertigt. Zuletzt wurde Anfang 2021 in eine Dreh- und Fräsmaschine investiert, die überwiegend Komponenten aus Titan fertigt.

Das Lager in Sosnowiec legt seinen Schwerpunkt auf Edelstähle und das Service-Center besitzt neben einer Laserstrahlschneidanlage eine Abkantpresse. Anfang 2021 erst hat Hempel Special Metals in die ERMAKSAN POWER BEND FALCON 4100×220 investiert und kann seinen Kunden nun auch Serviceleistungen rund um das Biegen aus eigenem Haus anbieten.

Last, but not least der Standort Dewsburry, der sich auf die Luft- und Raumfahrt und Öl- und Gasindustrie spezialisiert hat. Hier werden unter anderem Präzisionsbänder als Coil gefertigt.

Bevorzugter Partner vieler OEMs

Das Anbieten der Services aus eigenem Haus ist essentieller Bestandteil des Geschäftsmodells der Hempel Specials Metals, denn wie Axel Bollinger ausführt, sind viele Kunden in sensiblen Bereichen tätig und daher auf eine stets gleichbleibende Qualität in der Logistikkette angewiesen.

Die Endprodukte werden beim Präzisionsspaltband in Form einer Spule oder oszillierend auf Spulen gewickelt.

Der Fokus von Hempel Special Metals liegt daher ganz klar auf einer einheitlichen Qualitätssicherung sowie der fortwährenden Optimierung und Kontrolle der Lieferkette. Für den Bereich Medizintechnik beispielsweise ist die ISO 13845 Zertifizierung wichtig. Für OEMs in der Luft- und Raumfahrttechnik eine Akkreditierung wie etwa EN 9100, EN 9120 und SC21. Neben der ISO 13485 sind die Standorte je nach Spezialisierung zusätzlich nach den verschiedenen kundenspezifischen Richtlinien aus der Medizin-, Prozess- und Luftfahrtindustrie auditiert. Lieferantenseitig wird mit zugelassenen, akkreditierten Werksquellen gearbeitet, die durch Hempel Special Metals regelmäßig auditiert werden. Kontinuierlich investiert das Unternehmen auch in die Fertigung, wie etwa die Abkantpresse in Sosnowiec. So stellt Hempel Special Metals sicher, ein verlässlicher Komplettanbieter für seine Kunden zu sein. Dadurch wird externes Handling minimiert und die Sicherheit der kontrollierten Lieferkette aus einer Hand gewährleistet.

Innovationstreiber

Doch nicht nur in die Ausstattung wird kontinuierlich investiert: „Wir sind es gewohnt, an der Spitze der Innovation und Weiterentwicklung von Hochleistungswerkstoffen zu stehen“, unterstreicht Axel Bollinger und berichtet über das Projekt „Alloy 24/1.4565“. Ein Hochleistungswerkstoff, der die Lücke zwischen den Standardgüten nichtrostender Stähle und Nickelbasislegierungen schließt. Oder, wie Bollinger betont: „Endlich wird die Lücke geschlossen und ein kostengünstiges Alternativprodukt etabliert.“ Der Superaustenit Alloy 24 wurde bereits vor rund 30 Jahren von den damaligen Thyssen Edelstahlwerken gemeinsam mit den Vereinigten Deutschen Metallwerken entwickelt, verfiel aber später in den Dornröschenschlaf. Hempel Special Metals, überzeugt von den positiven Eigenschaften des Alloy 24, hat den stickstoff- und molybdänlegierten austenitischen Stahl wiederentdeckt. Mit Industeel wurde ein namhafter Hersteller gefunden und ein entsprechender Kooperationsvertrag zur Produktion und Distribution geschlossen. Heute ist Hempel Special Metals europaweit der einzige Lagerhalter für den Werkstoff Alloy 24.

Für seine Kunden und alle weiteren Interessierten bietet Hempel Special Metals eine Webinar-Reihe zur ausführlichen Vorstellung der technischen und kommerziellen Vorteile von Alloy 24 an. „Fühlen Sie sich davon angesprochen? Dann nehmen Sie doch unverbindlich am Webinar teil“, lädt Axel Bollinger auch die Leser der Edelstahl Aktuell ein. „Wenn Sie neugierig geworden sind, dann treten Sie einfach mit uns in den persönlichen Kontakt.“ Das nächste Webinar wird im November angeboten.

Die Metallbörse ECONOXX für mehr Nachhaltigkeit im Stahlhandel.

ECONOXX für die Kreislaufwirtschaft

Für Hempel Special Metals ist der Klimaschutz keine hohle Phrase. „Wir übernehmen Verantwortung für unsere Umwelt, damit auch nachfolgende Generationen diesen Planeten bewohnen können und das Artensterben ein Ende findet“, betont Bollinger. So hat die Hempel Special Metals schon einige Jahre vor der aktuellen Dekarbonisierungs-Debatte in der CO2-intensiven Stahlindustrie die Metallbörse „ECONOXX“ ins Leben gerufen.

Denn Hempel Special Metals ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit nicht bei der Edelstahlerzeugung beginnt, wo der Einsatz von Schrott bis zu 90 Prozent betragen kann, sondern schon vor dem Recycling der Schrotte stattfinden sollte.

Mit der Online-Metallhandelsplattform www.econoxx.com hat Hempel Special Metals einen Marktplatz für Reste, Stückbleche, Überbestände und Produkte zweiter Wahl aus hochwertigen Legierungen geschaffen. Heute nutzen – bei steigender Tendenz – bereits 440 Verkäufer und über 550 registrierte Käufer die Vorteile von ECONOXX. Die Registrierung sowohl als Käufer als auch Verkäufer ist ebenso wie das Inserieren von Material kostenlos. Kosten fallen erst an, wenn das Material einen Käufer gefunden hat. Hempel Special Metals unterstützt zudem beim Versand der Ware. Detaillierte Informationen finden Interessierte auf www.econoxx.com oder bei einem der folgenden Webinare zu ECONOXX. Auch hierzu lädt Axel Bollinger die Leser von Edelstahl Aktuell herzlich ein: „Wenn Sie sich davon angesprochen fühlen oder neugierig geworden sind, können Sie gerne unverbindlich am Webinar teilnehmen. Sprechen Sie uns an.“

Nicht der Größte, aber einer der Besten

Axel Bollinger schließt das Gespräch mit der Feststellung: „Wir sind vielleicht nicht der größte Lagerhalter in Nickellegierungen und Größe war noch nie ein ausschließliches Indiz für Erfolg, aber wir haben die besten Mitarbeiter, die mit ihren Leistungen die Kunden tagtäglich davon überzeugen, dass sie mit Hempel Special Metals den richtigen Partner an ihrer Seite haben.“ Um dann noch verschmitzt hinzuzufügen: „Unser Zukunftsplan? Wir wollen weiterhin zu den Besten gehören!“

Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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Alle Bilder wurden vor der COVID-19-Pandemie bzw. unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgenommen.

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Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.