voestalpine eröffnet Edelstahlwerk in Kapfenberg

Mit der offiziellen Eröffnung des hochmodernen Edelstahlwerks in Kapfenberg am 18. Oktober 2023 setzt die voestalpine einen technologischen Meilenstein in der Herstellung zukunftsweisender Hochleistungswerkstoffe für die internationale Automobil-, Energie- und Luftfahrtindustrie. Das neue Werk, das der Pressemeldung zufolge hinsichtlich Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine weltweite Vorreiterrolle einnimmt, ist das erste seiner Art, das in Europa seit vier Jahrzehnten errichtet wurde. Die Region profitiere durch die Investition in das Großprojekt von erheblichen wirtschaftlichen Effekten.

Im Vollbetrieb können laut Unternehmensangaben an den neuen Anlagen jährlich 205.000 Tonnen Spezialstähle für anspruchsvollste Kundensegmente produziert werden. Durch die Neuerrichtung würden an den steirischen voestalpine-Standorten Kapfenberg und Mürzzuschlag (voestalpine Böhler Edelstahl, voestalpine Böhler Aerospace und voestalpine Böhler Bleche) rund 3.500 Arbeitsplätze abgesichert; rund 150 Mitarbeiter:innen würden direkt im neuen Werk tätig sein.

Hoher Digitalisierungsgrad erfordert Top-Ausbildung

Das neue Werk entspreche den fortschrittlichsten Industrie-4.0-Standards: Rund 8.000 Prozessdaten würden laufend parallel erfasst, umgesetzt und ausgewertet. Die Steuerung sämtlicher Schmelzprozesse erfolge über einen zentralen Steuerstand. Die dafür notwendige Qualifizierung der Mitarbeiter in den Bereichen Robotik, Sensorik oder Datenanalyse erfolge über ein hauseigenes Kompetenzzentrum für Digitalisierung. Bereits in der Ausbildung von zukünftigen Fachkräften im hochmodernen Ausbildungszentrum in Kapfenberg liege der Fokus auf einer digitalisierten Arbeitswelt. Um die Fachkräfteausbildung am Standort auch weiterhin sicherzustellen, werde dort ein neuer Lehrlingscampus für 60 Lehrlinge errichtet. Der Baustart sei im Sommer 2023 erfolgt, die Fertigstellung sei für Herbst 2025 geplant.

Benchmark bei Nachhaltigkeit

Nicht zuletzt liege das Augenmerk beim neuen Edelstahlwerk auf der umwelt- und ressourcenschonenden Stahlproduktion: Eine Auskopplung der Wärme aus den Schmelzaggregaten in das Fernwärmenetz sei vorgesehen, die Kühlung erfolge über einen geschlossenen Kreislauf und die Anlage arbeite in hohem Maß energieeffizient. Der Elektrolichtbogenofen – das Kernstück der Anlage – werde zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben.

Maßgebliche wirtschaftliche Impulse

Der Spatenstich zum neuen Edelstahlwerk, welches das alte Stahlwerk ablöst, erfolgte 2018. Aktuell würden der Testbetrieb und der Zertifizierungsprozess des Produktspektrums an den neuen Anlagen durchgeführt. Bis das Zertifizierungsverfahren abgeschlossen sei, werde das neue Edelstahlwerk im Testmodus mit dem alten Werk parallel betrieben. Die Vollinbetriebnahme soll noch im laufenden Geschäftsjahr 2023/24 erfolgen. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut voestalpine auf rund 467 Millionen Euro, wobei der ursprüngliche Investitionsplan von 350 Millionen Euro aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen während der Covid-19-Pandemie bzw. Lieferschwierigkeiten von Schlüsselaggregaten, verursacht durch Zulieferunternehmen, wie bereits berichtet angepasst werden musste. Die sechsjährige Investitionsdauer löse beachtliche volks- und regionalwirtschaftliche Effekte aus, wie eine Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes vom September 2023 zeigt. Die Errichtung des neuen Werks generiere eine Wertschöpfung von rund 350 Millionen Euro – davon entfielen bis zu 230 Millionen Euro auf die Steiermark. Während der Bauphase habe die Investition außerdem – zusätzlich zu den 3.500 Jobs an den steirischen voestalpine-Standorten Kapfenberg und Mürzzuschlag – rund 2.500 in der Steiermark und mehr als 4.200 Arbeitsplätze in Österreich gesichert.

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Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.