Laut einem Standpunkt des Marktdienstes Argus Media wird der europäische Grenzausgleichsmechanismus für CO₂ (CBAM) die europäischen Ferrochrompreise im Jahr 2026 erhöhen. Ferrochrom unterliegt seit dem 1. Januar 2026 vollständig den CBAM-Regelungen. EU-Importeure müssen dann CBAM-Zertifikate erwerben, die auf den in den Importen enthaltenen CO₂-Emissionen basieren.
Der CBAM ist eine klimapolitische Maßnahme der Europäischen Union, mit der sichergestellt werden soll, dass importierte Waren denselben CO₂-Kosten unterliegen wie innerhalb der EU produzierte Erzeugnisse. Ziel ist es, sogenanntes Carbon Leakage zu verhindern, bei dem Unternehmen ihre Produktion in Länder mit geringerer oder fehlender CO₂-Bepreisung verlagern oder günstigere Importe Marktanteile gegenüber EU-Produkten gewinnen.
Bislang wurden Emissionen überwiegend auf Anlagen- oder Standortebene erfasst. Mit dem CBAM stellt die EU nun auf ein produktbezogenes System um, das auch Importe einbezieht.
Zusätzliche Abgaben auf Ferrochromimporte
Ferrochrom unterliegt dem CBAM. Ab 2026 müssen EU-Importeure für die in den Importen enthaltenen Emissionen entsprechende Zertifikate erwerben. Einige Marktteilnehmer rechnen laut Argus damit, dass dies einem Aufschlag von rund 0,13 US-Dollar je Pfund für hochkohlenstoffhaltiges Ferrochrom sowie etwa 0,09 US-Dollar je Pfund für niedrigkohlenstoffhaltiges Ferrochrom entspricht.
Ferrochrom gilt als besonders kohlenstoffintensives Metall, da für das Schmelzen ein hoher Energieeinsatz erforderlich ist. Am 11. Dezember 2025 verabschiedete die EU interne Rechtsakte zur Umsetzung des CBAM, in denen die maßgeblichen Emissionswerte festgelegt wurden. Demnach liegt der Standardwert für die Gesamtemissionen von hochkohlenstoffhaltigem Ferrochrom bei 2,35 Tonnen CO₂ je Tonne produziertem Metall. Für 2026 wird inklusive Aufschlägen ein Wert von 2,585 Tonnen CO₂ genannt.
Preise steigen bereits durch Angebotsverknappung
Die europäischen Ferrochrompreise waren in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig. In den letzten drei Jahren sanken die durchschnittlichen Jahrespreise für hochkohlenstoffhaltiges Ferrochrom mit 65 % Chromgehalt jeweils um zweistellige Prozentwerte. Der Durchschnittspreis für Europa lag 2025 bei 1,31 bis 1,57 US-Dollar je Pfund ddp und damit rund 43 % unter dem Niveau von 2022.
In der zweiten Jahreshälfte 2025 zogen die Preise jedoch an. Argus bewertete hochkohlenstoffhaltiges Ferrochrom mit einem Chromgehalt von 60–64,99 % Mitte Dezember mit 1,25 bis 1,35 US-Dollar je Pfund ddp Nordeuropa, was einem Anstieg von rund 18 % gegenüber Jahresbeginn entspricht. Der Preisanstieg ist laut Argus teilweise auf erhebliche Produktionskürzungen in Südafrika zurückzuführen, einem der wichtigsten Chromproduzenten weltweit.
Hohe Energiekosten sowie der Wettbewerbsdruck durch kostengünstiger produziertes Ferrochrom aus China haben dazu geführt, dass die beiden größten südafrikanischen Ferrochromhütten ihre Produktion reduzieren und ihren Fokus stärker auf den Export von Chromerz legen. Trotz energiepolitischer Fördermaßnahmen rechnen Marktteilnehmer damit, dass sich der Niedergang der südafrikanischen Ferrochrom-Schmelzindustrie fortsetzen wird.
Weitergabe der CBAM-Kosten an den Markt
Innerhalb Europas wird CBAM den in der zweiten Jahreshälfte 2025 beobachteten Preisanstieg weiter befeuern. Die Abgaben werden laut Argus an die Endverbraucher weitergegeben und damit das Transaktionsniveau erhöhen.
Kurzfristig erwarten Marktteilnehmer unmittelbar nach Einführung des CBAM keinen starken Preissprung, da derzeit noch ein reichliches Angebot vorhanden ist und Endverbraucher über hohe Lagerbestände verfügen. Sobald diese Bestände abgebaut sind und Käufer wieder verstärkt in den Markt zurückkehren, wird der Preisdruck steigen.
Für Importeure bringt das CBAM-System erhebliche finanzielle und administrative Belastungen mit sich. Ein Händler schätzte, dass bei Importen von rund 30.000 Tonnen Ferrochrom pro Jahr Zahlungen in Höhe von etwa 10 Mio. US-Dollar anfallen könnten. Entsprechend werden die Preise steigen. Zudem befürchten Marktteilnehmer, dass die Komplexität des Systems kleinere Händler vom Markt verdrängen könnte.
Höhere Ferrochrompreise werden den Kostendruck auf europäischen Edelstahl erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischen Stahls auf dem Weltmarkt beeinträchtigen.

