Klöckner & Co stellt Weichen für strategische Neuausrichtung

Klöckner & Co hat am 15. Januar 2026 zwei weitreichende strategische Entscheidungen bekannt gegeben: Zum einen beabsichtigt der Konzern den Verkauf der Becker Gruppe, zum anderen wurde eine Zusammenschlussvereinbarung mit Worthington Steel unterzeichnet, die ein öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien von Klöckner & Co vorsieht.

Verkauf der Becker Gruppe geplant
Klöckner & Co beabsichtigt, die Becker Gruppe zu veräußern, eine der führenden Multi-Metals-Plattformen im europäischen Flachstahlsektor. Der Vorstand habe diese Entscheidung nach einer umfassenden Analyse strategischer Optionen getroffen. Ziel sei es, der Becker Gruppe unter neuer Eigentümerschaft eine aktive Rolle in der weiteren Konsolidierung der europäischen Industrie zu ermöglichen und zugleich den Fokus von Klöckner & Co stärker auf höherwertige Produkte und Services zu legen.

Die Becker Gruppe bietet ein breites Portfolio an hochwertigen Flachstahlgüten und positioniert sich als Partner für eine zunehmend nachhaltige Stahlindustrie. In den ersten neun Monaten 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 567 Mio. Euro bei einem operativen Ergebnis (EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten) von –36 Mio. Euro.

Zusammenschlussvereinbarung mit Worthington Steel
Parallel dazu haben Klöckner & Co und Worthington Steel eine Zusammenschlussvereinbarung unterzeichnet. Worthington Steel kündigte in diesem Zusammenhang ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien von Klöckner & Co an. Der Angebotspreis beträgt 11,00 Euro je Aktie in bar und entspricht einer Prämie von rund 98 Prozent auf den unbeeinflussten volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs der Aktie bis zum 5. Dezember 2025.

Vorstand und Aufsichtsrat von Klöckner & Co begrüßen das Angebot und beabsichtigen, den Aktionären – vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage – die Annahme zu empfehlen. Nach Angaben des Unternehmens reflektiere das Angebot den inneren Wert der Aktie und biete eine attraktive Prämie.

Im Falle eines erfolgreichen Abschlusses soll Klöckner & Co weiterhin eigenständig vom bestehenden Vorstand geführt werden, der Sitz des europäischen Geschäfts soll in Düsseldorf bleiben. Entlassungen oder Standortschließungen seien nicht geplant. Worthington Steel kündigte an, die strategische Ausrichtung von Klöckner & Co zu unterstützen und das Wachstum in Europa und Nordamerika aktiv zu begleiten.

Gemeinsam würden beide Unternehmen zu einem der führenden Service-Center- und Metallverarbeitungsunternehmen in Europa und Nordamerika zählen. Der Abschluss des Übernahmeangebots wird für das zweite Halbjahr 2026 angestrebt, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und einer Mindestannahmequote von 65 Prozent.

Einordnung für Edelstahl Aktuell
Die Ankündigungen betreffen zentrale Akteure entlang der europäischen Metall- und Edelstahl-Wertschöpfungskette. Klöckner & Co zählt zu den bedeutenden produzentenunabhängigen Metallverarbeitern und Service-Center-Unternehmen in Europa. Sowohl die geplante Veräußerung der Becker Gruppe als auch der mögliche Zusammenschluss mit Worthington Steel unterstreichen den anhaltenden Konsolidierungsdruck in der Branche sowie die strategische Fokussierung auf höherwertige Produkte, Verarbeitungstiefe und Services.

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Anett Leonhard
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