Schoeller entwickelt automatisierte Prüfanlage für Kapillarrohre in der Medizintechnik

Der Edelstahlrohrhersteller Schoeller Werk GmbH & Co. KG hat eine vollautomatisierte Messanlage zur 100-Prozent-Prüfung gezogener Kapillarrohre entwickelt. Anlass war ein Kundenprojekt aus der Medizintechnik, für das keine geeignete Prüflösung am Markt verfügbar war.

Kapillarrohre übernehmen in Asthma-Inhalatoren eine zentrale Funktion: Sie transportieren das Medikament von der Kartusche zur Zerstäubungsdüse. Bereits geringste Abweichungen bei Geradheit, Schnittqualität oder Spanfreiheit können die Funktion beeinträchtigen. Der Kunde verlangte daher eine vollständige Qualitätsprüfung aller relevanten Parameter – Geometrie, Oberfläche und Spanfreiheit – für jedes einzelne Rohr.

Da eine entsprechende Anlage am Markt nicht verfügbar war, entwickelte Schoeller ein eigenes Prüfsystem. Die Anlage überprüft die Rohre in vier automatisierten Stufen: Außendurchmesser, Geradheit und Länge, Spanfreiheit sowie Oberfläche und Schnittenden. Mit einer Taktzeit von rund 0,5 Sekunden pro Rohr lassen sich auch große Stückzahlen effizient kontrollieren. Fehlerhafte Bauteile werden automatisch erkannt und aus dem Prozess ausgeschleust.

Nach Angaben des Unternehmens konnten seit der Inbetriebnahme Reklamationen vollständig vermieden werden. Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für Anwendungen in der Medizintechnik.

„Wenn der Markt keine passende Lösung bietet, entwickeln wir sie selbst“, erklärt Michael Gottschalk, CTO der Schoeller Werk GmbH & Co. KG. Die Anlage sei nicht nur eine Antwort auf einen konkreten Kundenbedarf, sondern stärke auch die Rolle des Unternehmens als Entwicklungspartner für anspruchsvolle Anwendungen.

Mit der Eigenentwicklung baut Schoeller sein Angebot über die reine Rohrfertigung hinaus aus und positioniert sich stärker als System- und Entwicklungspartner für Anwendungen mit besonders hohen Qualitätsanforderungen.

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Anett Leonhard
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