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Kabeltrassen bringen Ordnung in das komplexe Geflecht aus Leitungen und Rohren und verwandeln unübersichtliche Installationen in strukturierte, effiziente Systeme. Ob auf Ölplattformen, in der Lebensmittelproduktion oder in Tunnelanlagen bieten Kabeltrassen und -kanäle aus molybdänhaltigem Edelstahl höchste Beständigkeit gegenüber Korrosion und hohen Temperaturen – selbst unter extremen Bedingungen.
Ein Gastbeitrag von Karlee Williston, Managing Editor bei der International Molybdenum Association (IMOA)

Von Tunneln und Wolkenkratzern bis hin zu Fabriken und Wohnhäusern tragen und schützen Kabeltrassen die Leitungen, die unser modernes Leben ermöglichen, und verhindern dabei Schäden, Verunreinigungen und Ausfälle. Von einfachen Ausführungen bis hin zu maßgeschneiderten Installationen über viele Tausend Meter Länge sorgen sie für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Kabeltrassen sind in unterschiedlichen Bauformen erhältlich, darunter geschlossene Kanäle für vollständige Abdeckung, Leitertragsysteme für schwere Lasten und offene Drahtkörbe zur Verbesserung der Luftzirkulation. Auch wenn Aluminium und verzinkter Stahl weit verbreitet sind, überzeugt Edelstahl in Einsatzbereichen, in denen diese Werkstoffe an ihre Grenzen stoßen.
Wo Kabeltrassen aus Edelstahl unverzichtbar sind
Korrosive Umgebungen
Die Instandhaltung von Öl-, Gas- und Offshore-Windanlagen ist aufwendig und teuer. Kabeltrassen sorgen für eine sichere und geordnete Verlegung von Leitungen auf engem Raum, verhindern Gefahren durch lose Kabel und gewährleisten auch unter extremen Bedingungen wie starkem Wind einen zuverlässigen Betrieb. In schwer zugänglichen Bereichen reduzieren sie den Wartungsaufwand. Molybdänhaltige Edelstähle werden hier aufgrund ihrer außergewöhnlichen Beständigkeit gegen Meerwasser und Korrosion durch Salzsprühnebel eingesetzt, was die Notwendigkeit für häufige Wartung erheblich senkt.
Obwohl beschichtete Kohlenstoffstahl-Komponenten auf Offshore-Plattformen nach wie vor zum Einsatz kommen, werden in aggressiveren Umgebungen zunehmend molybdänhaltige Edelstähle mit höherer Beständigkeit und geringeren Lebenszykluskosten bevorzugt. Für Kabeltrassen im Oberdeckbereich wird Edelstahl Typ 316 mit 2 Prozent Molybdän verwendet. In fünfjährigen Bewitterungstests an der französischen Atlantikküste bei Brest schnitt Typ 316 besser ab als sogenannte Lean-Duplex-Stähle mit geringerem Molybdängehalt. Noch bessere Ergebnisse lieferte der Duplexstahl 2205 mit einem Molybdängehalt von 3 Prozent, was auch ein vierjähriger Test an der Küste in Dubai zeigte. Unter gleichen Testbedingungen blieb jedoch nur der Super-Duplex-Stahl 2507 mit 3,5 Prozent Molybdän vollständig frei von Korrosionsspuren – ein eindrucksvoller Beleg für seine überragende Korrosionsbeständigkeit.
Hohe Temperaturen
In Bereichen mit erhöhter Hitzeeinwirkung, etwa in der Nähe von Kesseln, Öfen oder Wärmetauschern, sind Werkstoffe erforderlich, die ihre Form und Festigkeit bewahren. Edelstähle, insbesondere molybdänhaltige Sorten, überzeugen durch ihre Temperaturbeständigkeit und eignen sich bestens für hitzebelastete Anwendungen.
Zwar verlieren alle Werkstoffe bei erhöhten Temperaturen an Festigkeit, nichtrostender Stahl jedoch bleibt auch bei extremer Hitze vergleichsweise stabil, selbst im Brandfall. So ist Edelstahl bei 400°C fester als niedriglegierter Stahl bei Raumtemperatur. Typ 316 übertrifft bei erhöhten Temperaturen auch den

molybdänfreien Typ 304. In brandgefährdeten und hitzebelasteten Umgebungen ist Edelstahl daher entscheidend für Sicherheit und Langlebigkeit.
Hygienisch sensible Bereiche
In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist Edelstahl unverzichtbar. Seine glatte, porenfreie Oberfläche verhindert Bakterienwachstum und lässt sich gründlich reinigen. Dank seiner Widerstandsfähigkeit und Sterilisierbarkeit eignet sich Edelstahl hervorragend für Bereiche mit strengen Hygieneanforderungen. Während Typ 304 weit verbreitet ist, kommt Typ 316 vor allem in korrosiven Anwendungen wie der Herstellung von Ketchup, Sojasauce oder salzhaltigen Produkten zum Einsatz. Salz und Säuren aus diesen Prozessen können sich auf den Kabeltrassen ablagern und Korrosion verursachen.
Kabeltrassen in solchen Bereichen sind zudem regelmäßig aggressiven Reinigungsmitteln ausgesetzt, entweder direkt bei der Reinigung oder durch Sprühnebel. Viele dieser Mittel enthalten Chloride oder Säuren, die weniger widerstandsfähige Werkstoffe angreifen. Mit weltweit steigenden Hygienestandards gewinnen Kabeltrassen aus Edelstahl zunehmend an Bedeutung – von der Lebensmittelherstellung über die Pharmaindustrie bis hin zu Einrichtungen im Gesundheitswesen.
Für die extremsten Bahntunnel der Welt

Straßen- und Eisenbahntunnel zählen zu den anspruchsvollsten Einsatzbereichen für molybdänlegierte Kabeltrassen. Sie tragen entscheidend dazu bei, Risiken durch Feuchtigkeit, Feuer und erschwerte Wartung in schlecht zugänglichen Bereichen zu minimieren. Tunnelsysteme sind oft so feucht, dass Korrosion zu einem erheblichen Problem wird. Im Mont-Blanc-Tunnel in der Schweiz etwa liegt die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 95% – weit über dem Schwellenwert, ab dem viele Umgebungssalze aktiv korrosiv wirken. Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit besteht in Tunneln ein erhebliches Brandrisiko durch brennbare Materialien, beengte Räume und eingeschränkte Lüftungsmöglichkeiten.
Solche Brände sind zwar selten, können jedoch katastrophale Folgen haben: Der Brand im Mont-Blanc-Tunnel im Jahr 1999 forderte 29 Todesopfer und verursachte einen Sachschaden von 450 Millionen Euro.
Die Feuerfestigkeit von Typ 316 Edelstahl ist gut dokumentiert – sie reduziert das Risiko herabfallender Bauteile und struktureller Instabilität im Brandfall. Aus diesem Grund wurde er im Gotthard-Basistunnel, dem längsten und tiefst gelegenen Eisenbahntunnel der Welt, für Kabeltrassen und Halterungen von Handläufen entlang eines Notfluchtwegs eingesetzt. Über 8.000 Meter Kabeltrassen und 60.000 Halterungen wurden 2016 verbaut. Die aufwendige Instandhaltung von Tunneln, insbesondere in abgelegenen Bergregionen oder hoch frequentierten Strecken, unterstreicht die Notwendigkeit langlebiger, wartungsarmer Werkstoffe wie Typ 316 Edelstahl.
Auch bei einem der extremsten Tunnelbauprojekte der Welt kommen Kabeltrassen aus Typ 316 Edelstahl zum Einsatz: dem Udhampur-Srinagar-Baramulla Railway Link (USBRL) in der indischen Himalayaregion. Das Projekt mit über 100 km Tunnelstrecke verbindet die Provinzen Jammu und Kaschmir durch unwegsames, dünn besiedeltes Hochgebirgsgelände. Neben den äußerst erschwerten Wartungsbedingungen stellen hohe Luftfeuchtigkeit und industrielle Emissionen erhebliche Korrosionsrisiken dar. Rund 6.000 Tonnen Edelstahlkabeltrassen vom Typ 316 wurden aufgrund ihrer Korrosionsbeständigkeit, langen Lebensdauer und geringen Wartungsanforderungen gewählt.
Die 2 mm starken, kaltgewalzten Trassen mit 2B-Oberfläche sind ein zentraler Bestandteil der längsten Verkehrstunnel Indiens, deren Inbetriebnahme für 2025 geplant ist.
Kabeltrassen und -kanäle aus molybdänhaltigem Edelstahl sind aufgrund ihrer hervorragenden Korrosionsbeständigkeit, Hitzebeständigkeit und hygienischen Eigenschaften überall dort unverzichtbar, wo Zuverlässigkeit und Langlebigkeit entscheidend sind. Ob in Tunneln, auf Offshore-Plattformen oder in pharmazeutischen und hygienekritischen Anlagen – sie gewährleisten Sicherheit und Funktionalität unter anspruchsvollen Bedingungen, in denen Ausfälle keine Option sind.

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