Im Spotlight: Schmidt + Clemens

Im Spotlight: Schmidt + Clemens
Mit Weitblick gestalten und Verantwortung tragen
ARTIKEL DER WOCHE

Fotos: Schmidt + Clemens

Mit Weitblick gestalten und Verantwortung tragen

Mit seiner im Jahr 2021 neu-erarbeiteten Unternehmensstrategie setzt der Lindlarer Edelstahlspezialist noch mehr auf das Thema Nachhaltigkeit. Dass Nachhaltigkeit mehr als Klimaschutz ist, zeigt Lars Niemczewski, Chief Communication Officer von Schmidt + Clemens, im Gespräch mit Edelstahl Aktuell auf.

Bereits seit mehr als 140 Jahren besteht das Familienunternehmen. Ursprünglich als Stahlhandel gegründet, eröffneten die findigen Firmengründer rund 20 Jahre nach Firmengründung in Frankfurt a. M. eine Schmiede in Lindlar, die sich zu der heutigen Gießerei weiterentwickelte. War es anfangs noch die Formgussproduktion, die den Geschäftsbetrieb gestaltete, so prägte Schmidt + Clemens (S+C) seit den 1950er Jahren maßgeblich das Schleudergießverfahren. Heute bietet S+C mit Vertikal- und Horizontalschleuderguss, Formguss, Feinguss und Schmiedekomponenten ein breites Spektrum an Verfahren an.

Der Stammsitz in Lindlar.

Neben dem deutschen Stammsitz in Lindlar-Kaiserau produziert S+C noch in Spanien, der Tschechischen Republik, Saudi-Arabien und Malaysia. Drei eigene Vertriebsbüros in den USA, Indien und Brasilien garantieren zusammen mit über 30 Handelsvertretungen die weltweite Präsenz des Edelstahlspezialisten. Mit seinen Komponenten aus Edelstahl ist S+C Weltmarktführer mit Rohrsystemen für die petrochemische Industrie.

Nicht von der Stange verkaufen

Daran Anteil hat sicherlich die Forschung und Entwicklung (F+E), die von S+C mit viel Engagement betrieben wird. „Unser Anspruch ist es, nicht von der Stange zu verkaufen, sondern ein Produkt mit dem Kunden zu entwickeln und zu individualisieren“, erklärt Niemczewski. Es werde genau hingeschaut: „Wie werden Anlagen beim Kunden betrieben? Welche Rohstoffe werden eingesetzt? Welche Öl- und Gasqualitäten finden Verwendung? Welche Reinheiten? Wir tauschen uns aus über Prozessparameter und Temperaturzonen.“ Letztlich entstehe so ein modularer Aufbau des Rohrsystems mit dem Kunden.

Dieses Konzept wird in dem neuen Slogan, den S+C zur ACHEMA entwickelt hat, einfach und klar aufgegriffen: Creating. Innovation. Together.  Zusammen gestalten, nicht stehenbleiben, immer wieder Neues entdecken und entwickeln, wobei die Betonung auf zusammen liegt. Der direkte Kontakt mit Kunden, mit Forschungsinstitutionen und Hochschulen, das ist es, was zählt.

Best available technology

Nicht umsonst ist die F+E von S+C eine der größten in der Edelstahlgießereibranche. 30 Mitarbeiter sind in diesem Bereich beschäftigt. Ingenieure und Forscher tüfteln an neuen Werkstoffen, Werkstoffoptimierungen und Prozessen.

Die F+E verfügt über mehrere Zeitstandöfen mit Online-Überwachung.

Eigens für die F+E hat S+C eine kleine Fertigung inklusive Schmelzofen und Schleudermaschine für Versuchsabgüsse eingerichtet. „Das spart viel Zeit und ermöglicht schnelle Entwicklungszyklen“, erläutert Niemczewski. „Alles, was viel Zeit kostet, kann hier schnell gemacht werden.“ Die Ausstattung der F+E wird bei Fachleuten sicherlich für glänzende Augen sorgen:

Das Technikum verfügt überdrei Rasterelektronenmikroskopen.

Allein drei Rasterelektronenmikroskope, mehrere Zeitstandöfen mit Online-Überwachung und der weltweit einmalige Korrosions-Versuchsstand XCS 3000 spiegeln die Investitionsbereitschaft wider.

Unternehmensstrategie 2021

Im Jahr 2021 entwickelte S+C eine neue Unternehmensstrategie, deren Kernbotschaft lautet: die heutigen Ressourcen der Erde nachhaltig nutzen. Jan Schmidt-Krayer, geschäftsführender Gesellschafter, schrieb dazu: „Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen, mit der Umwelt und mit der Gesellschaft ist fest in der DNA unseres Unternehmens verankert.“

Die Herausforderung, die sich hierbei für S+C stellt, ist den Kunden in die Lage zu versetzen, nachhaltig zu produzieren und zu agieren. So könne zum Beispiel mittels der von S+C gefertigten Edelstahlkomponenten ein geringerer Energieeinsatz erreicht oder der CO2-Ausstoß reduziert werden.

S+C schreibt sich viele Facetten von Nachhaltigkeit auf die Fahne und bekennt sich klar zu den UNO-Zielen, denn Nachhaltigkeit ist für das Unternehmen mehr als Maßnahmen zum Klimaschutz. Facetten der Nachhaltigkeit sind Partnerschaften, bezahlbare saubere Energie, menschenwürdige Arbeit, Armutsbekämpfung oder auch Geschlechtergleichheit.

Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz“, betont Niemczewski. „In der Agenda 2030 der UNO sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgeführt, die der Förderung nachhaltigen Friedens und Wohlstands und dem Schutz unseres Planeten dienen.“

Für S+C spielt Nachhaltigkeit auch eine wichtige Rolle bei den Kundenbeziehungen.  Das Ziel ist die langfristige Verbindung mit Geschäftspartnern. Der Grundstock hierfür ist das Vertrauen. „Wo so eng miteinander gearbeitet wird, werden auch Interna preisgegeben“, beschreibt Niemczewski das Miteinander mit Kunden. „Dieses Vertrauen hat sich Schmidt + Clemens in den letzten Jahren erarbeitet und wir sind stolz, es geschafft zu haben.“

Warum Nachhaltigkeit mehr als Klimaschutz ist, erklärt Lars Niemczewski.

Social Responsibility

Als Familienunternehmen denkt S+C in Generationen und nicht kurzfristig; auch das ist ein Aspekt von Nachhaltigkeit. Da, wo produziert wird, möchte das Unternehmen auch der Gesellschaft etwas zurückgeben und engagiert sich nachhaltig für die Region, in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Bildung oder Gemeinnützigkeit.

In Deutschland ist das Unternehmen fest im Oberbergischen verwurzelt.  S+C spendet nicht nur regelmäßig an lokale und regionale Organisationen, sondern unterstützte beispielsweise im letzten Jahr die Auszubildenden bei der Durchführung eines Ehrenamtstags bei der Tafel in Gummersbach und ist aktives Mitglied des Vereins „Werksarztzentrum Oberberg“, der über 175 Unternehmen mit etwa 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Der Vorstandsvorsitzende des Werksarztzentrum Oberberg e.V. ist übrigens derzeit Jan Schmidt-Krayer.

Obwohl das Unternehmen selber von der Flutkatastrophe im Juli 2021 betroffen war, sammelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von S+C einen Betrag von 11.000 Euro, der von S+C um 9.000 Euro aufgestockt wurde und den Flutopfern im Ahrtal zugutekam.

Auch bei der Ausbildung setzt S+C Maßstäbe. Das Unternehmen ist ein mehrfach ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb. Der Ausbildung wird bei S+C eine hohe Priorität eingeräumt. Ausbildungsangebote werden kontinuierlich ausgebaut. In seiner eigenen Akademie vereint S+C die Themen Aus- und Weiterbildung. Im letzten Jahr wurden über 90.000 Euro in die S+C Akademie investiert, um das Ausbildungsangebot in den Bereichen Elektro und Automatisierung weiter auszubauen. Auch die nächste Investition ist bereits geplant: Ein eigener Schulungsroboter wird für die Akademie angeschafft.

IMPROOF – Steam Cracker der Zukunft

Im Sinne der Nachhaltigkeit engagierte sich S+C auch schon vor dem Erarbeiten der neuen Unternehmensstrategie; so etwa im EU-finanzierten Projekt IMPROOF. Anlagenbetreiber, Komponentenhersteller, Institute und Universitäten entwickelten von 2016 bis 2020 gemeinsam einen Steam Cracker der Zukunft.

Der automatische Rohrschweißplatz am Standort in Lindlar.

Das Herz jedes Steam Crackers ist die Strahlungszone in der nur Legierungen höchster Güte eingesetzt werden. Hier setzte die Werkstoffexpertise von S+C an: ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war SCOPE Fusion HTE von S+C. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus dem Hochtemperaturwerkstoff Centralloy HTE und einem innenprofilierten Rohr. Das Profil beeinflusst durch gezielte Verwirbelung, wie effektiv die von außen eingebrachte Wärme sich im innen strömenden Gas verteilt. Unterm Strich stehen Wärmeoptimierung und Energieeinsparung und somit auch einer höheren Effizienz des Ofens.

Durch SCOPE Fusion HTE bieten sich dem Kunden damit zwei Möglichkeiten zur Optimierung seiner Anlage: er kann eine höhere Produktionsrate erzielen oder aber seinen Energieeinsatz reduzieren, um damit bspw. eigene Nachhaltigkeitsziele zu verwirklichen.

Anlagenbau im Kommen

„Die Kunden kaufen nicht nur ein Produkt“, weist Niemczewski auf einen aktuellen Trend hin. „Die Kunden wollen das Produkt auch vermehrt eingebaut bekommen, darum kümmert sich unsere Abteilung „On-Site Services“.

Kürzlich waren 450 Mitarbeiter in einem Projekt im Oman eingebunden, denn auch regelmäßige Prüf- und Wartungsarbeiten gehören zum Portfolio von S+C. Fast ein Jahr dauerten die umfangreichen Planungsarbeiten, bis neben der Kundenanlage von S+C eine eigene kleine Stadt aufgebaut werden konnte, mit der ganzen Infrastruktur, die 450 Menschen für einen zweiwöchigen Einsatz benötigten.

Health & Safety Projektplanung sowie Schweißarbeiten und die Schweißtechnik lagen dabei in den Händen von S+C. Für solche Projekte baut S+C auf ein fast weltweites Netzwerk.

Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen darauf, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in diesem Netzwerk von S+C trainiert und ausgebildet sind. So wird ein einheitlich hohes Qualitätsniveau garantiert. Und schon wieder begegnet uns das Thema Nachhaltigkeit: im Unterpunkt Bildung und Fortbildung, dem Teilen von Wissen zum Ziele der fachlichen Versiertheit von Mitarbeitern und in gewisser Weise auch der Motivation von Mitarbeitern.

Der Formguss gehört zu den verschiedenen Verfahren, die S+C heute verwendet, um individuelle Produkte für Kunden zu fertigen.

„Letztlich muss die Balance stimmen zwischen Ökologie und Ökonomie“, lacht Niemczewski. Und da befindet sich Schmidt + Clemens auf einem wahrlich guten Weg.

Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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Alle Bilder wurden vor der COVID-19-Pandemie bzw. unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgenommen.

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Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.