Mehr Wasser aus Meerwasser

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Bedarf an Trink- und Brauchwasser steigt – Entsalzung gewinnt an Bedeutung

Welch ein großartiges Potenzial das Meer bietet, ist nicht nur den Experten bekannt. Da, wo die natürlichen Trinkwasservorräte nicht ausreichen, könnte die Nutzung des Salzwassers die Versorgung übernehmen. Eine Verwendung, die zunehmend in den Fokus rückt. Die Wasserwiederverwendungs- und Entsalzungstechnologien erfreuen sich daher großer Nachfrage: 2021 war das vierte Jahr in Folge, in dem die Wachstumsrate des Marktes für unkonventionelle Wasserressourcen zunahm.

Ein Beitrag von Michael Vehreschild.

Desalination liegt im Trend, das bemerkt auch GEMÜ. „Wir beobachten eine Zunahme von Meerwasserentsalzungs-Projekten im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten“, berichtet Anwendungsmanager Sven Truckenmüller. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung und dem damit verbundenen steigendem Bedarf an Trink- und Brauchwasser für zum Beispiel Plantagenbewässerung ist die Tendenz steigend. „Auch wenn der Bedarf an Meerwasserentsalzung zunimmt, für Armaturenhersteller bleibt es ein sehr preissensitiver Markt.“ Es ist also – trotz steigender Nachfrage – kein einfacher Markt.

Außerordentlich resistente Armaturen

Die Herausforderungen beginnen aber bereits bei der Auslegung der Anlagen für die Meerwasserentsalzung. „Durch den hohen Salzgehalt von Meer- und Brackwasser werden außerordentlich resistente Armaturen benötigt“, erklärt Sven Truckenmüller. Im Inneren ist für alle Bauteile eine hohe Korrosionsbeständigkeit gefragt. „Für Absperrklappen kommen daher mit Halar oder Rilsan beschichtete Scheiben sowie Scheiben aus Superduplex als Scheibenmaterial in Frage.“ Für die Manschetten eignen sich Viton oder peroxidisch vernetztes EPDM als Dichtungsmaterial. Aber auch nach außen müssen die Armaturen eine hohe Resistenz aufweisen, um beispielweise der UV-Einstrahlung oder anderen Witterungsverhältnissen wie der salzhaltigen Luft standzuhalten. GEMÜ hat deshalb die Armaturen zum Schutz vor Witterung mit einer gleichmäßig hohen Schichtdicke epoxidbeschichtet. In den wärmeren Regionen müssen die Armaturen auch bei Temperaturen von bis zu 50 °C einwandfrei funktionieren.

Enge Form- und Lagetoleranzen

Neben dem Medium und der Witterung sind Parameter wie der Betriebsdruck relevant. „Hier liefert GEMÜ meist Armaturen, die für die Druckstufe PN10 ausgelegt sind“, berichtet Sven Truckenmüller. „Abhängig von der Anlagengröße liefern wir außerdem Armaturen bis zu einer Nennweite von DN 1600.“

Hohes Leckage-Risiko

Als großen Trend sieht das Unternehmen in diesem Markt die Elektrifizierung und Digitalisierung im Anlagenbau. Vor allem bei dezentralen Anlagen oder Anlagenteilen, die teilweise frei im Feld liegen, hat Druckluft ein Leckage-Risiko und verursache zusätzliche Aufwände für Kompressoren. „Hier bieten elektromotorisch betriebene Ventile einen klaren Vorteil, auch mit Blick auf die Industrie 4.0.“

Wasserstoff als Impulsgeber

Und die Bedeutung der Meerwasserentsalzung wird weiter steigen: „Wir gehen vor dem Hintergrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstumes von einem konstant steigendenden Marktpotenzial aus, denn damit geht ein steigender Bedarf an Trink- und Brauchwasser – zum Beispiel für die Landwirtschaft – einher“, prognostiziert Sven Truckenmüller. Neben den konventionellen Verfahren wie etwa der Umkehrosmose „werden sich hier auch alternative Anlagen, beispielsweise die solare Meerwasserentsalzung, weiterentwickeln“. Ein Impuls wird auch die wachsende Nachfrage nach Wasserstoff setzen: Für die Produktion von Wasserstoff ist ebenso entsalztes Wasser notwendig.

Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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