Wasserstrahlschneiden: grünes Schiffs- und Stahlrecycling

Fotos und Grafiken: ANT AG

In Deutschland laufen zwei Pilotprojekte zur Abwrackung veralteter Schiffe mit dem umweltfreundlichen Wasserstrahl-Abrasivsuspensionssystem (Wasserstrahlschneiden) der ANT AG. Die leistungsstarke und energieeffiziente Technologie erzielt laut Unternehmensinformation bemerkenswerte Ergebnisse und erfülle alle internationalen Anforderungen an ein nachhaltiges Schiffsrecycling. Darüber hinaus ermögliche sie die Rückgewinnung von wertvollen Rohstoffen, die für die Produktion von klimaneutralem Stahl genutzt werden können.

Wasserstrahlschneiden ermöglicht umweltfreundliches Schiffsrecycling und grüne Stahlproduktion
Der Hochdruck-Abrasiv-Wasserstrahl arbeitet von außen nach innen und schneidet Stahlplatten bis zu einem Meter Dicke in beliebig große Stücke.

Angesichts der fortschreitenden Umstellung auf eine emissionsfreie Schifffahrt und einer wachsenden Welthandelsflotte werde in den nächsten 10 Jahren eine erhebliche Zunahme der Abwrackaktivitäten erwartet. Die Zahl der zu recycelnden Schiffe werde voraussichtlich von 7.780 Schiffen im letzten Jahrzehnt auf 15.000 Schiffe mit einer Transportkapazität von 600 Millionen Tonnen (letztes Jahrzehnt: 285 Millionen Tonnen) ansteigen. Außerdem schreiben neue Vorschriften ein sauberes und sicheres Schiffsrecycling vor. Gleichzeitig steht die Stahlindustrie, einer der weltweit größten CO2-Emittenten, vor der Herausforderung, die Emissionen gemäß dem Pariser Klimaabkommen von 2015 bis 2030 um rund 30 Prozent zu reduzieren. Rund 85 Prozent der CO2-Emissionen bei der Stahlproduktion entstehen im Hochofen. Stahlschrott aus der Schiffsabwrackung stellt eine besonders nachhaltige Option dar, da er ohne Qualitätsverluste vollständig recycelt werden kann. Pro Tonne recycelten Stahls könnten rund 1,6 Tonnen CO2 vermieden werden.

Suspensionsstrahl für massiven Stahl

Im Juni 2022 startete in Kiel ein Pilotprojekt zur nahezu emissionsfreien Abwrackung von Schiffen mit der weltweit patentierten Wasserstrahltechnologie der ANT AG. Ein ähnliches Pilotprojekt sei in Bremen geplant. Das Wasserstrahl-Abrasivsuspensionssystem kann laut Presseinformation einen Hochdruckstrahl erzeugen, der mit 2500 bar Stahlplatten von bis zu einem Meter Dicke schneidet. 10 Millimeter dicker Schiffsstahl könne mit einer Geschwindigkeit von etwa 2 Metern pro Minute geschnitten werden. Das ausfahrbare Schneidsystem wird ferngesteuert und in der Nähe des zu schneidenden Stahls positioniert. Der Schneidstrahl besteht aus einer Suspension aus Wasser und zugesetztem Abrasivmittel. Selbst mehrschichtige Materialien und Strukturen mit Hohlräumen wie Einbauten, Isolierungen und Verkleidungen könnten problemlos geschnitten werden.

Flexible Anwendung

Beim Wasserstrahlschneiden entstehen laut ANT AG weder CO2 noch Dämpfe oder Schlacke. Außerdem schlage der Schwebewasserstrahl keine Funken, was die Gefahr von Bränden und Explosionen verringert. Der berührungslose Schneidprozess erzeuge weder Wärme noch Materialverformung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren könne der Wasserstrahl auch von außen nach innen arbeiten, so dass keine Schlacke oder Farbsplitter die Umgebung verunreinigen können und anspruchsvolle Materialien sicher im Schiff verbleiben, wo sie aufgefangen und entsorgt werden können. Selbst Gastanks aus Invar, einer hochwertigen Eisen-Nickel-Legierung, die sich durch eine hohe Längenstabilität bei Temperaturwechseln auszeichnet, könnten in beliebiger Größe geschnitten werden. Das Wasserstrahl-Abrasiv-Aufhängungssystem sei flexibel und könne aus einer Entfernung von bis zu 500 Metern ferngesteuert werden.

Wasserstrahlschneiden ermöglicht umweltfreundliches Schiffsrecycling und grüne Stahlproduktion
Die Wasserstrahlanlage besteht aus einem Roboter, einer Strahlmittelmischeinheit, einer Hochdruckpumpe und einer Steuereinheit.
Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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Sonja ist Redakteurin bei der Edelstahl Aktuell. Nach ihrem Studium der Psychologie an der HHU in Düsseldorf und selbstständiger Arbeit als Content Creator nutzt sie nun diese Erfahrungen, um zum Erfolg der Zeitung beizutragen und ihr Fachwissen in der Edelstahlbranche zu vertiefen.