Estadio Santiago Bernabéu

Die spektakuläre Edelstahlfassade des Estadio Santiago Bernabéu Estadio Santiago Bernabéu
Der Ort, an dem Emotionen entstehen
ARTIKEL DER WOCHE

Fotos: gmp Architekten / L35 / Ribas

 

Das legendäre Estadio Santiago Bernabéu ist nicht nur irgendein Stadion, es ist die Heimat des spanischen Rekordmeisters Real Madrid und eines der wichtigsten Wahrzeichen Madrids. Seit 2019 wird es bei laufendem Stadionbetrieb erweitert und umgebaut, so etwa um ein neues verfahrbares Dach über dem Spielfeld sowie Freizeit-, Restaurant- und Unterhaltungsbereiche.

Erbaut wurde das Fußballstadion in den Jahren 1944 bis 1947 im Stadtbezirk Chamartín in Madrid. Seit dem Eröffnungsspiel zwischen Real Madrid und Belenenses Lissabon im Dezember 1947 wurde das Stadion mehrfach erweitert und umgebaut. Hieß es anfangs Nuevo Estadio Chamartín, wurde es 1995 nach dem langjährigen Präsidenten Santiago Bernabéu umbenannt.

Mehr Komfort und neue Einnahmequellen

Die heutigen Umbauten haben ihren Ursprung im Jahr 2011. Damals gab eine Delegiertenversammlung grünes Licht für eine komplette Umgestaltung des Stadions. Aufgrund eines Baustopps wurden die Pläne jedoch reduziert zu den Umbaumaßnahmen, die 2018 von der Vollversammlung des Clubs genehmigt wurden. Seit 2019 werden diese nun durchgeführt und sollen bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

Estadio Santiago Bernabéu
Das Design berücksichtigt alle urbanen Vorschriften, insbesondere in Bezug auf den Abstand zu anderen Gebäuden.

Die Renovierung soll nach Vorstellung von Real Madrid einen weltweiten Vorbildcharakter haben. Ziel der Sanierung sei die Verbesserung des Komforts und der Zugänglichkeit für die Fans sowie die Erschließung neuer Einnahmequellen.

Für den Umbau des Estadion Santiago Bernabéu wurde ein anderthalbjähriger Einladungswettbewerb durchgeführt. Diesen haben im Januar 2014 die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) zusammen mit den spanischen Projektpartnern L35 Arquitectos und RIBAS & RIBAS gewonnen.

Funkelndes Juwel

Ein herausragendes Merkmal des Entwurfs von gmp ist sicherlich die Fassade. Aufgrund der diversen durchgeführten Baumaßnahmen, die 1953 begannen, als die Osttribüne nur sechs Jahre nach Eröffnung um einen dritten Rang erweitert wurde, ist die Fassade sehr heterogen. gmp setzt dem ein Ende und entwarf eine skulpturale Hülle aus subtil geschwungenen, diagonalen Metall-Lamellen. Damit erscheint die Fassade lückenlos und bildet eine perfekte Einheit.

Aus der Ferne betrachtet soll die Metallstruktur als funkelndes Juwel im Stadtbild erscheinen, das das Tageslicht in verschiedenen, je nach Blickwinkel variierenden Nuancen reflektiert. In den Abendstunden soll die Fassade mithilfe von LEDs in verschiedenen Farben beleuchtet werden. Zudem sollen Bilder auf die Fassade projiziert werden können.

Neben den Lichteffekten hat die durchlässige Stadionhülle aber auch einen praktischen Hintergrund: Sie spielt eine wichtige Rolle für die natürliche Belüftung des Innenraums. Je nach Nutzung des Raums hinter der Fassade und dem entsprechenden Bedarf an Tageslicht, werden der Grad der Transparenz und die Geometrie der einzelnen Paneele entsprechend angepasst.

Im oberen Fassadenbereich, oberhalb der Ränge, umläuft eine sanft geschwungene Promenade die gesamte Struktur. Sie erlaubt einen Panoramablick nicht nur auf das öffentliche Leben der Plazas und der benachbarten Straßen, sondern auch auf das sportliche Geschehen oder die Events im Stadion selbst. Die Westfassade wird wegen ihres riesigen, zur Hauptstraße La Castellana hin ausgerichteten integrierten Bildschirms, der für besondere Events und Präsentationen konzipiert ist, selbst zum Blickfang werden.

Verfahrbares Innendach

Die neue Arena wird auch die Möglichkeit bieten, das Spielfeld sowohl mit einem festen als auch einem einziehbaren Dach zu überdachen, wodurch sichergestellt wird, dass alle Sitzplätze überdacht sind.

Die Konstruktion des neuen Dachtragwerks basiert laut gmp auf dem Prinzip des Speichenrads und wird als leichte Seilkonstruktion mit einer Membranverkleidung und darüber angeordneten Metall-Lamellen ausgeführt.

Das verfahrbare Innendach des Estadio Santiago Bernabéu
Für die Dachkonstruktion ließen sich die Architekten vom Speichenrad inspirieren.

Das verfahrbare Innendach kann dank der schienengelagerten Dreigurtbinder vollständig in die Gesamtstruktur integriert werden. In der Parkposition wird es von außen nicht nur unsichtbar sein, sondern der Mechanismus erlaubt auch eine gänzlich freie Dachöffnung – ohne Kabelwerk oder einem Zentralknoten. An der inneren Dachkante befindet sich ein umlaufender 360°-Screen aus LED-Modulen.

Edelstahl von Acerinox

Für die Bekleidung sowohl der Fassade als auch des Dachs hat sich Real Madrid für den rostfreien Stahl von Acerinox entschieden. Verantwortlich für die Herstellung ist das spanische Werk Acerinox Europa (Los Barios, Cádiz). Um die Reflexion des Sonnenlichts auf Nutzer, Fahrzeuge und angrenzende Gebäude zu reduzieren, habe Acerinox für dieses Projekt neue Oberflächen entwickelt.

Acerinox wird auch den Stahl für das einziehbare Dach des Stadions liefern, das aus einem festen und einem einziehbaren Teil bestehen wird, wobei sich letzterer über dem Spielfeld befindet. Dadurch kann das Dach je nach Bedarf und Aktivitäten im Stadion geöffnet (in nur 15 Minuten) oder geschlossen werden, was eine größere Vielfalt an Veranstaltungen ermöglichen wird.

Neugestaltete Freiflächen vor dem Estadio Santiago Bernabéu
Neue urbane Qualitäten für die Plaza Sagrados-Corazones durch eine neue öffentliche Freifläche.

Auswirkung auf städebauliche Umgebung

Aber auch die unmittelbare Umgebung des Estadio Santiago Bernabéu wird neugestaltet. Ein großer Platz von über 20.000 m² entsteht am Paseo de la Castellana und ein weiterer von 5.500 m² an der Ecke Padre Damián. Dadurch werde unter anderem eine Verbesserung der Sicherheit erreicht, da das Stadion mit mehr Zugängen ausgestattet werden kann.

Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.