Tankstandards für die Lebensmittelindustrie

Fotos: gpi

Die Lebensmittelindustrie stellt aus naheliegenden Gründen besondere Anforderungen an die Art der Lagerung von Trinkwasser und flüssigen Lebensmitteln. Die verwendeten Tanks müssen sich daher in jeder Hinsicht durch die besten Parameter auszeichnen. Aber was bedeutet das in der Praxis? Diese Fragestellung beantwortet der niederländische Tankhersteller gpi im folgenden Beitrag.

EA: Nach welchen Normen werden hygienische Tanks gebaut?

gpi: Diese Frage ist durch die Unternehmen, die sich in der European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) zusammengeschlossen haben, selbst geklärt worden. Ihre Richtlinien sagen unter anderem aus, dass sie

  • sich durch eine Rauheit der Oberfläche und der inneren Fugen auf dem Niveau von Ra≤0,8μm auszeichnen
  • keine schattigen Stellen oder Lücken aufweisen
  • keine scharfen Kanten enthalten
  • über Ventile und Sensoren mit EHEDG-Zertifikat verfügen
  • eine geätzte und passivierte Oberfläche haben
  • eine chloridfreie Isolierung verwenden

Aufgeführt ist hier nur ein kleiner Teil der Anforderungen. Die EHEDG beschreibt Standards für buchstäblich jedes Bauteil, das im Lebensmitteltankbau verwendet wird, einschließlich Schrauben und der Anzahl der Schweißnähte. Dies zeigt am besten, warum die Organisation so viel Vertrauen bei den Herstellern und Nutzern der Tanks genießt.

EA: Wodurch zeichnen sich aseptische Tanks aus?

gpi: Ein aseptischer Tank ist ein Lagertank für ein Produkt, das zuvor pasteurisiert oder sterilisiert wurde. Aseptische Tanks zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufgrund ihrer Konstruktion das Auftreten von Bakterien im gelagerten Produkt, z.B. Milch, verhindern. Das Reservoir schützt den Inhalt vor Umwelteinflüssen.

Die EHEDG legt auch Standards für sterile Flüssigkeitstanks fest. Sie werden vor allem dort eingesetzt, wo besondere Hygienestandards eingehalten werden müssen. Neben der Lebensmittelindustrie werden sie auch in der Pharmazie und bei der Herstellung von Kosmetika verwendet. Aseptische Tanks sind aus rostfreiem, säurebeständigem Stahl gefertigt. Sie sind speziell isoliert und mit Ventilen, Luken und Kontrollvorrichtungen ausgestattet. Auch diese Tanks haben ein großes Fassungsvermögen, das jedoch wie immer von den Besonderheiten der Branche abhängt, in der sie eingesetzt werden.

Aseptische Tanks
gpi lieferte neue Edelstahltanks für die Käserei FrieslandCampina in Lutjewinkel, Niederlande.

EA: Was ist bei der Konstruktion und Ausstattung von Tanks für die Lebensmittelindustrie zu beachten?

gpi: Tanks für die Lebensmittelindustrie, die aseptisch und hygienisch sind, haben meist einen konvexen oder konischen Boden, der eine gründliche Reinigung des Tanks ermöglicht. Die zylindrische Struktur der Tanks muss außerdem mit hygienischen Dichtungen, Ventilen und Schutzvorrichtungen ausgestattet sein.

Je nach Produkt und Bedarf des Unternehmens können die Tanks mit einem Heiz- und Kühlmantel, einem Rührwerk und einem CIP-Anschluss ausgestattet werden.

EA: Gibt es bei Wassertanks zusätzliche Anforderungen?

gpi: Es sollten moderne Technologien verwendet werden, um die Anforderungen der EHEDG zu erfüllen. Der Wassertank sollte keine Schrauben oder Federn im Inneren haben. Dies kann mit einem durchdachten Design und einer Software erreicht werden. Bei GPI vertrauen die Konstrukteure etwa auf das Tool TankDesign 2.0.

Wassertanks aus rostfreiem Stahl werden oft als Puffertanks verwendet, wenn der Kunde Wert auf Korrosionsbeständigkeit legt. Warmwassertanks werden zur Speicherung von überschüssiger Wärme und deren anschließender Nutzung verwendet. Diese Tanks können isoliert und mit Heizschlangen für den Temperaturaustausch ausgestattet sein. Wir empfehlen die Verwendung von Kissenplatten, Noppenplatten, Spulen oder elektrischen Kabeln.

EA: Welchen Überprüfungen müssen Industrietanks vor ihrer Freigabe für den Markt standhalten?

gpi: Alle Industrietanks müssen vor ihrer Freigabe für den Markt einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. Der verantwortliche Hersteller der Tanks mit Heiz- und Kühlfunktion führt sowohl eine visuelle als auch eine detaillierte technische Prüfung der Schweißnähte und Tanks durch. Die Normen in diesem Bereich sind in der EN ISO 17637 zusammen mit der EN ISO 5817 festgelegt. Darüber hinaus gibt es auch die EN 13445-5 Schweißnaht-Rauheitsmessungen. Auch Kurzzeit-Rührer-Tests und Riboflavin-Test sind von nicht minderer Bedeutung.

Eines ist klar, es gibt eine ganze Reihe von Normen, die sowohl vom Gesetzgeber als auch von unabhängigen Organisationen beschrieben werden. Ein vertrauenswürdiger Hersteller berücksichtigt alle verfügbaren Richtlinien. Er sollte Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Art der Erwärmung und des Mischens von Substanzen im Tank sein, ebenso zu Fragen zur Isolierung oder einer hygienischen Ausführung.

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Zu den von gpi realisierten Projekten gehören unter anderem CIP (Cleaning in place)-Tanks für Friesland Campina, Lagertanks für Glukosesirup für einen internationalen Konzern, die Herstellung von Drucktanks für Delicpol, Tyskie Browary Książęce und Rohmilchtanks für Elsdorfer.

Neben Produktionsstätten in den Niederlanden und Polen verfügt das Unternehmen über eine Niederlassung in Kassel, um den deutschen Markt proaktiv zu bedienen.

Catrin ist Redakteurin bei Edelstahl Aktuell. Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben. Sie hat eine Ausbildung bei einem Großhändler für Rohr- und Rohrzubehör absolviert und in verschiedenen Funktionen bei einem Hersteller und Lieferanten von Analysegeräten für die Metallindustrie gearbeitet.

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